Pastor Andreas Kraft

Klar, am 24. September ist Bundestagswahl. Und wir leben in der Hauptstadt, könnten also allerlei vorletzte und letzte Worte in diesem Zusammenhang hautnah miterleben, den Redner oder die Rednerin unseres Vertrauens noch einmal hören, vielleicht sogar die Wahlergebnisse irgendwo mit prominenten Leuten in unserer Umgebung erfahren. Und wahrscheinlich geht es vielen von uns ähnlich: Wie immer wir im Einzelnen Entwicklungen in unserem Land beurteilen – wir haben es gut! Wir leben in einem der freiesten Länder der Welt, mit einem ganz und gar überdurchschnittlichen und unverdienten Wohlstand, wir dürfen (oder müssen) etliche Entscheidungen mitgestalten. Viele Menschen beneiden uns um diese Rahmenbedingungen, und es ist nicht so überraschend, dass etliche Fremde unser Land nennen würden, wenn sie die Wahl hätten, wo sie ihre Zukunft verbringen könnten.

Und dann gibt es etliche weitere Gedanken. Wir haben die „Qual der Wahl“, wenn es um unsere Mahlzeiten geht, wir wählen Berufe und Wohnorte, Urlaubsziele und Fernsehprogramme. Manches ist ganz entscheidend für unser Leben, anderes eher nebensächlich; manches ist für alle gleich (wie die berühmte Stimme für die Bundestagswahl), anderes hängt z.B. von unseren finanziellen Möglichkeiten ab (Wahl des Autos …). Manche Wahl macht Spaß (Stracciatella oder Schokolade oder Erdbeere?), manche eher Angst (Welches Krankenhaus ist für die schwere Operation das richtige?).
So vieles, was einem bei diesem Thema durch den Kopf geht. Ein letzter Gedanke: Manchmal möchte man vielleicht auch gar nicht wählen! Als junger Mann war ich Leiter einer kleinen Filiale eines Berliner Kreditinstituts. Einmal im Jahr gab es den Ball der Bank, mit Riesenbuffet und Tanz und allem „Drum und Dran“. Jedes Mal fiel mir eine Ausrede ein, nicht hinzugehen. Was wäre, wenn ich mit meinem Tanztalent nahe null aufs Parkett müsste oder jemand mich ansprechen würde …

Jesus Christus sagt einmal einen befreienden Satz zu seinen Jüngern:
„Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und dazu eingesetzt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und dass eure Frucht bleibt.“ (Johannes-Evangelium, Kap. 15, Vers 16)
Das ist klasse! Mein Leben in Zeit und Ewigkeit gelingt, weil der Sohn Gottes zuerst mich ausgewählt hat – wie so viele andere auch! Seine Gnade gilt mir, er sagt ja zu mir mit allem, was ich mitbringe (ohne alles gut zu heißen), er gibt meinem Leben ein Ziel und eine Erfüllung! Gott hatte die Wahl, und er hat „JA“ gesagt – zu dir, zu mir, zu unseren Nachbarn. Eine wirklich gute Nachricht!
Wer mit dieser Gnade lebt, dem hilft der Herr des Lebens auch in tausend Einzelentscheidungen, wenn uns gesagt wird: „Du hast die Wahl!“

Andreas Kraft

(Auszüge aus dem Pastorenwort zur Gemeindebriefausgabe 08/09 2017)

(Titelbild: Josef J. Obiltschnig/pixelio.de)

Du hast die Wahl!
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