Pastor Frank Drutkowski

Ihr Lieben,
in unserem Urlaub sind wir bei Flensburg an einem „Landgasthof Hoffnung“ vorbeigefahren. Ein echt ungewöhnlicher Name für einen Gasthof. Ich jedenfalls kannte bis dahin weder Gasthof noch Pension oder Hotel mit diesem Namen. Und natürlich stellte ich mir sofort die Frage, warum der Gasthof wohl diesen Namen trägt. Will der Betreiber damit seiner Hoffnung Ausdruck verleihen, dass eben nicht alle auf der Bundesstraße nur schnell vorbeifahren? Oder dass seine Gäste trotz des starken Verkehrs eine gute und ruhige Nacht in seinem Haus verbringen können? Oder dass die Qualität seiner Speisen die unvorteilhafte Lage würde ausgleichen können? Oder leiteten ihn eher grundsätzliche Gedanken? Ohne Hoffnung verliert jedes Leben an Strahlkraft, an Stärke und an Zukunft. Wollte er ein Ausrufezeichen gegen die zunehmende Hoffnungslosigkeit unserer Zeit setzen? Oder einfach daran erinnern, dass „die Hoffnung zuletzt stirbt“? All diese Gedanken hätte ich mir sparen können, als ich später entdeckte, der Landgasthof steht in einem Ort namens „Haurup-Hoffnung“. Und hier im Ortsteil „Hoffnung“. Eigentlich schade, oder? Obwohl: Stell dir einmal vor, du wirst gefragt, wo du wohnst. Und du kannst antworten: „Ich lebe in Hoffnung.“

Oktober-November. Die Tage werden kürzer und kürzer. Die graue, kalte und feuchte Jahreszeit steht vor der Tür. Schon allein deshalb müssen sensible Gemüter gegen die Hoffnungslosigkeit mitunter richtig ankämpfen. Ich schreibe diese Zeilen zu einer Zeit, in der die Erinnerungen an die Terroranschläge in Barcelona noch frisch sind. Und diejenigen an die schrecklichen Folgen des Hurrikans Harvey in Houston. Zu einer Zeit, in der die Bilder der Überschwemmungskatastrophe in Indien, Bangladesch und Pakistan um den Globus gehen. Und jene des Bergsturzes in der Schweiz. Während gleichzeitig die Nordkorea-Krise sich immer weiter aufschaukelt und der UN-Sekretär vor einem neuen Weltkrieg warnt. Und in Deutschland das Fernsehduell zwischen Bundeskanzlerin Merkel und Herausforderer Schulz bis in die Details ausgewertet und hitzig debattiert wird. Hoffnung – worauf? Dass am Ende doch alles irgendwie gut wird? Dass die Suppe schließlich doch nicht so heiß gelöffelt werden wird, wie sie gekocht wurde?

Eine Welt, die immer mehr aus den Fugen gerät. Ihr Lieben, was mich angesichts dessen zutiefst ermutigt: Jesus ist davon nicht überrascht oder gar damit überfordert. Schon vor fast 2000 Jahren hat er zu seinen Jüngern gesagt: „Wenn um euch herum alles aus den Fugen gerät, wenn Sicherheiten sich in Unsicherheiten verkehren, wenn Fundamente zerbröckeln und Unverrückbares zu wanken beginnt, dann lasst euch nicht in den Strudel der Furcht und Hoffnungslosigkeit ziehen. Dann haltet daran fest, dass mir alle Macht und Gewalt gegeben ist – im Himmel sowieso, aber genauso auch auf Erden. Dann habt Hoffnung, dann richtet euch auf und erhebt eure Häupter, weil eure Erlösung naht! Der Tag, an dem ich wiederkommen werde. Und mit mir das Reich des Vaters.“ (vgl. Lk 21,28) Und wenn Jesus so von Hoffnung redet, dann spricht er nicht von Eventualitäten, von guten Wünschen oder möglichen Sehnsüchten, sondern dann setzt er hinter seine Aussagen das göttliche Ausrufezeichen! Hoffnung ist der Glaube, der für die Zukunft ergreift, was Jesus gesagt hat: „Ich bin bei euch alle Tage, bis an das Ende der Welt!“ (Mt 28,20) Kein Tag ohne Jesus! Keine Not ohne ihn, keine verfahrene Situation, keine Diagnose, keine Krise! „Erhebt eure Häupter, weil eure Erlösung naht!“

Ein letzter Gedanke: Woher bekomme ich diese Hoffnung? Sie ist ein Geschenk des Heiligen Geistes: „Die Hoffnung wird nicht enttäuscht, denn die Liebe Gottes ist in unsere Herzen ausgegossen durch den Heiligen Geist.“ (Röm 5,5) Um mit einer Frage zum Anfang zurückzukehren: Lebst du in Hoffnung?

Frank Drutkowski

(Pastorenwort zur Gemeindebriefausgabe 10/11 2017)

(Titelbild: czu_czu_PL /pixabay.de)

Hoffnung
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