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Pastor Frank Drutkowski

„Ins Wasser fällt ein Stein, ganz heimlich, still und leise; und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise…“

Ihr Lieben,

(…) Ein Bild, das jedem geläufig sein dürfte. Wellen, die sich von einem Zentrum immer weiter ausbreiten und in Bewegung bringen…

„Und ist er noch so klein…“ – Weihnachten um die Zeitenwende: Von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt kommt Gottes Sohn zur Welt. Na gut, im direkten Umfeld geschahen schon ein paar merkwürdige Dinge. Aber wenn man davon einmal absieht, war – neudeutsch formu-

liert – der „Impact“ dieses Ereignisses sehr übersichtlich. Gottes Sohn wurde als Mensch geboren und kaum einer nahm Notiz davon.

  • Auch wenn die paar Hirten sich alle Mühe gaben, ihren Nachbarn davon zu erzählen, was sie in jener Nacht erlebt hatten, ernteten sie meist nur ein ungläubiges Lächeln…
  • Auch wenn ein paar Magier aus dem fernen Osten weder Kosten noch Mühen scheuten, diesem neugeborenen König Ehre zu erweisen, mussten sie „heimlich, still und leise“ wieder in ihre Heimat ziehen, weil sich die allgemeine Sicherheitslage plötzlich verschärfte…
  • Auch wenn der Jerusalemer Königshof für kurze Zeit in seiner Hektik eher einem orientalischen Basar glich, beruhigte sich alles nach der äußerst fragwürdigen und brutalen „Lösung“ von König Herodes und verfiel wieder dem gewohnten Trott… „Ins Wasser fällt ein Stein… doch ist er wohl zu klein?“ Gottes Sohn wurde als Mensch geboren, aber die Erweckung blieb aus…

Ca. 29 Jahre später – Jesus, der Sohn Gottes, war inzwischen in aller Munde. Zu Hunderten liefen ihm die Menschen nach, verehrten ihn als ihr Idol und ihren Hoffnungsträger, waren fasziniert von ihm und staunten über seine Wunder. Aber dann diese eine Predigt, die alles veränderte: „Wahrlich, wenn ihr nicht das Fleisch des Menschensohns esst und sein Blut trinkt, so habt ihr kein Leben in euch!“ (Joh 6,53). Das war zu viel. Einer nach dem anderen kehrte Jesus den Rücken. Übrig blieben nur seine zwölf Getreuen. Erfolg sieht anders aus. „Ins Wasser fällt ein Stein…; doch ist er wohl zu klein?“

Ca. 1 1⁄2 Jahre später – Golgatha, vor den Toren Jerusalems. Unter unvorstellbaren Qualen wurde Jesus gekreuzigt. Da hing er nun, zwischen Himmel und Erde, verhöhnt und verlacht. Umringt von römischen Soldaten und den Frommen seiner Zeit. Mitten im lauten Trubel und zugleich in tiefster Einsamkeit. Nun standen nicht einmal mehr seine zwölf Getreuen unter dem Kreuz. Aus Angst waren die längst schon über alle Berge. Und selbst sein Vater im Himmel verbarg sich nun vor ihm. Dennoch schrie Jesus mit letzter Kraft die Worte, die eine Welt aus den Angeln hoben: „Es ist vollbracht!“

„Ins Wasser fällt ein Stein…; und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise.“ Das tat und tut Jesus bis heute. Durch seine Gemeinde, durch dich und mich. Bis heute verändert er Leben um Leben. Und damit die Welt. Durch seine Gemeinde, durch dich und mich. Und genau das ist auch unsere Sehnsucht: eine Gemeinde zu sein, die Kreise zieht, die nach außen wirkt, die Fremden eine Heimat bietet und Menschen dort begegnet, wo sie sind. Eine Gemeinde, die immer größere Kreise zieht. Mitten hinein in unsere heutige Gesellschaft und unsere postmoderne Welt. Auch unter denen, die so schnell übersehen und übergangen werden, den Armen und Schwachen. Eine Gemeinde, die es zu denen hinzieht, die Jesus noch nicht kennen…

„Ins Wasser fällt ein Stein, ganz heimlich, still und leise; und ist er noch so klein, er zieht doch weite Kreise. Wo Gottes große Liebe in einen Menschen fällt da wirkt sie fort in Tat und Wort, hinaus in unsere Welt.“ So geht der Text dieses Liedes weiter. Die Kreuzkirche – eine Gemeinde, die (auch in ihren Kreisen) Kreise zieht?! Das wird uns im neuen Jahr natürlich weiter beschäftigen …

Ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein Neues Jahr unter der Leitung unseres Herrn wünscht Euch und Ihnen,

Frank Drutkowski

(Pastorenwort zur Gemeindebriefausgabe 12/2019 01/2020)

(Titelbild: Arek Socha auf Pixabay)

Kreise ziehen